Der Liboripfau - oder - das Flabellum

Den heiligen Liborius begleitet als Attribut oftmals ein Pfau. flabellum_libori

Einer Legende nach ist der Translatio (Reliquienüberführung) der Reliquien des heiligen Liborius ein Pfau voraus geflogen. Dieser Pfau begleitete die gesamte Überführung und blieb immer in der Nähe des Heiligen. Bei der Ankunft der Reliquien am Pfingstsonntag des Jahres 836 ließ sich der auf der Spitze des Domes und fiel beim Hereintragen der Reliquien in den Dom, tot vom Dach.
Aus diesem Grund begegnet dem Besucher heute überall in Paderborn der Pfau, der auch Sinnbild für die Herrlichkeit Gottes und des Ewigen Lebens ist.
Bei der Aussetzung des Schreines steht noch heute ein Pfauenwedel (Flabellum) hinter dem Schrein, welches bei den Prozessionen dem Schrein vorangetragen wird.

Das Flabellum, wie wir es heute kennen entstammt seiner Art nach den Flabelli aus dem assyrisch-babylonischen und ägyptischen Kulturkreis früherer Jahrhunderte. Ursprünglich war das Flabellum eine Art "überdimensionale Fliegenklatsche", mit der die Fliegen ferngehalten wurden. Im Laufe der Zeit jedoch entwickelte sich das Flabellum zu Symbolen von Autorität und Macht.

In früher Zeit dienten die Flabelli auch in der Kirche rein praktischen Zwecken. Laut einem Hinweis aus dem 13. Jahrhundert  wurde im Sommer bei den Pontifikalämtern das Flabellum "ab abigendum muscas" (zur Fliegenabwehr) genutzt.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden zwei Flabelli zu den Seiten des tragbaren päpstlichen Throns, der "Sedia Gestatoria" mitgeführt. Damit erhielten die Flabelli erstmals eine rituelle Gewichtung.

Die päpstlichen Flabelli sind zum letzten mal bei der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils durch Johannes XXIII, bei der Krönung Pauls VI und bei der Schließung der 2. Sessio des Konzils durch Papst Paul VI genutzt worden.

 

Eine nicht ganz wissenschaftliche Darstellung der Entstehung der Pfauenlegende, eher interessant für Paderborn-Kundige!

Beim Pressebumme l über die Liborikirmes im Jahr 2001 wurde den Teilnehmern im Rathaussaal ein Vortrag von Professor Dr. Königsberg aus Brakel (Dargestellt durch den Paderborner Kabarettisten Stani) gehalten.
Dieser entschlüsselte die Legende um den Pfau folgendermaßen:

Er erinnerte an das Jahr 836, als eine Gesandtschaft aus Paderborn aufbrach, um in Le Mans "einen Satz Knochen abzuholen". Damit die Delegation den Rückweg wiederfinden konnte, ritzte sie, ähnlich wie bei Hänsel und Gretel, in die Baumstämme am Wegesrand ein "V". Diesem "V" folgten sie dann auf dem Rückweg nach Paderborn.

Eine weitere Variante beschreibt, dass der Pfau in Wewer, als er aus der Ferne den Paderborner Dom sah, schlagartig tot zusammensackte. Prof. Königsberg: "Es ist durchaus nachzuvollziehen, dass jemand, der das erste mal einen Blick auf Paderborn wirft, tot umfällt."
Der Professor nimmt an, dass der Pfau als "Wegweiser der Transporteure der Knochen unseres steinheiligen Liborius eigentlich in Richtung Delbrück fliegen wollte." Daher musste der Pfau nach Prof. Königsberg "ausgerechnet in Wewer ins Gras beißen".

Eine andere Überlieferung geht davon aus, dass der Pfau tatsächlich in Richtung Delbrück flog, die "Paderborner unter den Knochenschlürern" sich jedoch weigerten, ihm dorthin zu folgen. Daraufhin wurde der Pfau einfach für tot erklärt und die Prozession ging weiter nach Paderborn.
Der Pfau schaffte es dann allerdings, wie auch immer, eine ansehnliche Pfauenkolonie in der Nähe von Delbrück zu gründen. Professor Königsberg ist sich sicher, dass sich nach und nach weitere Tierarten anschlossen, so zum Beispiel Tiger, Löwen, Kamele, Lamas, Stachelschweine, Ziegen , Bären, Truthähne, Enten und Affen. Diese Tiere errichteten dann als Schutz einen großen Zaun um ihre Kolonie, damit sie nicht von den hungrigen Delbrückern gegessen werden konnten und beauftragten einen gewissen Herrn Nadermann damit, ihnen regelmäßig Futter zu bringen. Als dank dafür gestatteten sie diesem Herrn Nadermann, seinen Namen über den Eingang der Kolonie zu nageln.

 

 

 

 

(Bilder: Bischofsgruft im Hohen Dom zu Paderborn, Das Flabellum bei der Prozession. unteres Bild: Der Dachreiter der Liborikapelle am Liboriberg)