Reliquienraub
Raub der Reliquien des Heiligen Liborius durch den "Tollen Christian"
1622, im 30 jährigen Krieg suchte Christian von Braunschweig, auch "Der tolle Christian" genannt, das Paderborner Land heim. Er forderte
Ablösesummen für das Verschonen der Ortschaften.
Durch konfessionelle Streitigkeiten der Bevölkerung mit dem damaligen Bischof Dietrich von Fürstenberg, machte sich eine Gesandtschaft von protestantischen Stadtpersönlichkeiten auf, um mit dem Herzog Christian zu verhandeln. So kam es, dass Christian zusicherte, nur mit wenigen Soldaten für 3 Tage in die Bischofsstadt zu kommen. Der katholische Klerus suchte daraufhin das Weite und ließ die Stadt allein.
Am 31. Januar jedoch rückte der Herzog mit zahlreichen Truppen in Paderborn ein und quartiete sich im Jesuitenkolleg ein.
Sehr schnell begab er sich zum Dom und und raubte allerhand Kostbarkeiten. Darunter auch den silbernen Schrein des Heiligen Liborius mitsamt der darin befindlichen Reliquien. Das war für das allzu katholische Paderborn ein ungeheures Sakrileg.
Am 6. Februar, also nach einer Woche verließ Christian Paderborn wieder. Mit einem Schatz, dessen Bedeutung er sich selbst nicht im Klaren war.
In Lippstadt ließ der Herzog den Schrein und andere Kostbarkeiten sofort in Münzen umwandeln. Die sogenannten Pfaffenfeindttaler. Die Inschrift auf der einen Seite der Taler lautete:
"Tout avec Dieu 1622" - Alles mit Gott 1622
Auf der anderen Seite stand:
"Gottes Freund des Pfaffen Feind"

Im Jahre 1626 stirbt Christian von Braunschweig 26 jährig im Krieg. Die Reliquien des Heiligen Liborius werden in Lothringen wiedergefunden und in das Brigittenkloster nach Bonn gebracht. Die Schwestern fanden bald heraus, um wessen Reliquien es sich handelte und brachten sie nach Schloss Neuhaus, dem damaligen Bischofssitz. Ende Oktober des gleichen Jahres wurden die Reliquien in dem von Hans Krako (Dringenberg) neugeschaffenen Schrein feierlich in den Dom überführt.
Auf einem niederländischen Flugblatt wurde der Raub der Reliquien und die Einschmelzung des Schreines glorifiziert.
(Bild oben: Christian v. Braunschweig, Gemälde v. Paulus Moreelse 1618, Herzog Anton Ulrich Museum)